• 12.10.2026 18:04

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Metallisches Legacy Bandporträt

Zwanzig Jahre, zehn Studioalben. Wenn die Band, die dich durch deine Jugend geprügelt hat, ein Album „Legacy“ (*) nennt, hörst du nicht einfach Musik. Du hältst eine Bilanz in der Hand. Nach mehreren Durchläufen von Five Finger Death Punchs neuem Werk bin ich vor allem eins: hin- und hergerissen.

Härter? Ja. Wilder? Nicht unbedingt.

Zoltan Bathory hatte versprochen, dass „Legacy“ das Härteste seit Jahren wird, mit einem fast filmischen Unterton. Er hat nicht gelogen. Der Titeltrack startet mit einem peitschenden Riff und einem Schlagzeuggewitter, das dich direkt zu „The Way of the Fist“ zurückwirft. Die Single „Eye of the Storm“ treibt gnadenlos nach vorn, und „De Oppresso Liber“ stampft mit einer Wut, die an „Under and Over It“ erinnert.

Die Produktion ist fett, der Druck stimmt, und Ivan Moody zeigt eine stimmliche Bandbreite, die dich staunen lässt. „Nails in the Coffin“ und „Unscathed“ pendeln zwischen Brutalität und Melodie, ohne kitschig zu werden. „Shelter“ und „Scapegoat“ bauen eine düstere, fast cineastische Stimmung auf.

Was du vermissen wirst, wenn du von Anfang an dabei bist

Hier liegt mein Zwiespalt. „The Way of the Fist“ und „War Is the Answer“ klangen nach einer Band, die etwas beweisen musste: roh, ungeschliffen, unberechenbar. „Legacy“ klingt nach einer Band, die genau weiß, was funktioniert, und sich darauf verlässt. Das ist kein Zufall. Von der Besetzung dieser frühen Jahre sind nur noch Moody und Bathory übrig. Eine neue Rhythmusgruppe, ein neuer Leadgitarrist und zwanzig Jahre Erfahrung verändern einen Sound zwangsläufig.

Viele Songs folgen demselben Bauplan: ruhiger Einstieg, brachialer Ausbruch, großer Mitsing-Refrain, Growl zum Abschluss. Bei „In Time“ und „Everybody Lies“ geht das auf, weil die Melodien stark sind. Bei „Joke’s on Me“ hast du dagegen das Gefühl, den Song schon auf „F8“ oder „AfterLife“ gehört zu haben. Selbst „De Oppresso Liber“ verliert nach dem dritten Hören etwas von seiner Wucht, weil du jede Wendung kommen siehst. Was fehlt, sind die Abgründe, die Momente, in denen die Band früher vor nichts Halt gemacht hat.

Und das ist gewollt. Bathory selbst nennt das Album einen Bauplan dessen, was Five Finger Death Punch ausmacht. Aus fast 30 Songs hat die Band zehn ausgewählt. Wer so aussortiert, setzt bewusst auf das Bewährte.

Für wen sich „Legacy“ besonders lohnt

Wenn du die Band für hymnische Refrains, breitbeinige Attitüde und Konzerte liebst, bei denen jede Arena zum Schlachtfeld wird, dann wirst du „Legacy“ feiern. Das Album ist für die Bühne gemacht: Wucht, Groove, Refrains zum Mitbrüllen.

Wenn du die Band aber wegen ihrer rohen Anfangszeit liebst, wirst du wahrscheinlich enttäuscht. „Legacy“ ist kein Blick zurück. Es feiert, was die Band seit zwei Jahrzehnten tut, mit allen Stärken und Schwächen.

Zusammengefasst

„Legacy“ ist kein schlechtes Album. Es ist ein ehrliches. Es zeigt genau, was Five Finger Death Punch 2026 sind: eine Band, die ihre Formel perfektioniert hat und nicht daran rütteln will. Und eine Band, die nach dem Verkauf ihrer alten Aufnahmen endlich wieder selbst bestimmt, was ihr Erbe ist. Wenn du mit „AfterLife“ eingestiegen bist, ist das ein Fest. Wenn du schon länger dabei bist, respektierst du es, aber es packt dich vielleicht nicht mehr wie früher.

Vielleicht gehört auch das zum Vermächtnis: zu akzeptieren, dass eine Band nicht für immer dieselbe bleibt. Und trotzdem weiter zuzuhören.



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